Modefotografie - Zwischen Kunst und Werbung
Die Agentur 103prozent besteht aus Birte und Tim. Beide haben sich mit unserer Starmoderatorin Anika auf der jugendnetz-berlin.de-Bühne zum YOUNG IFA Talk eingefunden.
Birte und Tim sind beide gelernte Fotografen, kommen aber aus 2 verschiedenen Richtungen: Birte direkt aus einem Foto-Studio, wo man Passbilder und Portraitfotos machen lassen kann und Tim aus dem Werbefotografie-Bereich. Beide haben sich vor 3 Jahren selbständig gemacht - in der Agentur 103prozent. Diese beschäftigt sich unter anderem mit Modefotografie und Fotos für Bands.
Birte ist für das Fotografieren, Zeichnen und Malen zuständig, Tim sieht sich als kreativen Kopf, der für die Themenfelder Mode und Musik zuständig ist. Beide haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Birte hat sehr lange auf ihren Ausbildungsplatz warten müssen, nachdem sie bei einem Praktikum in einem Fotostudio die Lust zum Fotografieren entdeckte. Ihr damaliger Chef drückte ihr eine Kamera in die Hand, schickte sie nach draußen, um die Straße zu fotografieren und ließ sie danach die Bilder entwickeln. Und als sich auf dem Papier in der Entwicklerchemie das erste Bild hervorhob - da war es um Birte geschehen. Weiterhin erzählt sie, dass es ein langer Weg der Ausbildung war, um wirklich kreativ mit der Kamera loslegen zu können.
Tim hat eine Ausbildung zum Werbefotograf gemacht. Dort hat er Disziplin, Genauigkeit und die Techniken erlernt. Wasman nicht erlernen kann, ist aber das Talent zum Fotografieren und die Kreativität. Diese muss man schon selber mitbringen, wie Tim weiter erzählt.
Anika befragt die beiden, wie sie denn von ihren Ausbildungsberufen letztendlich zur Modefotografie gekommen sind. Dazu erzählt Birte, dass sie bei ihrer Ausbildung irgendwann entdeckte, dass sie unbedingt Menschen fotografieren möchte, aber natürlich weit über ein Passbild hinaus. Tim war die Werbefotografie irgendwann auch zu unkreativ, zu oft musste man sich an Vorgaben halten und konnte nicht selbst Ideen einbringen. Er wollte sich so richtig austoben und hat nun in der Modefotografie den richtigen Platz dafür gefunden.
Sie haben in den 3 Jahren ihres Bestehens nicht nur Fotos für Replay und andere Modefirmen gemacht, sondern auch Bilder für Musiker, sei es ein Plakat oder ein CD-Cover. Hier kann man z.B. Fettes Brot und die Beatsteaks aufzählen. Regelmäßig kann man ihre Arbeiten im Uncle Sallys Magazin bewundern - in der letzten Ausgabe gab es 4 Seiten mit wunderschönen Aufnahmen für die Marke Replay.
Doch sind sie nun Künstler oder eher Werbe-Fritzen? Dazu meinen beide, dass sie genau dazwischen liegen. Man kann die Aufträge nach vorgegebenen Konzepten und nach maximaler Ideen-Freiheit unterscheiden. Ist viel vorgegeben, sprechen sie eher von Werbung, können sie sich frei auslassen, ist es wirkliche Kunst.
Weiterhin erläutern beide noch den Ablauf eines Fotoshootings. Man knippst eben nicht nur 10 Bilder und schon hat man ein fertiges Motiv, sondern es steckt viel mehr hinter einem fertigen Hochglanzfoto. Hier gibt es in Kurzform ein paar der notwenigen Schritte bzw. vorab zu klärende Fragen:
- Wo? Ort des Shootings?
- Wer? Welche Modelle?
- Stylistin/Stylist?
- Visagistin/Visagist?
Bis zum fertigen Foto vergehen schnell 2 Wochen allein für die Vorbereitung des Shootings bis hin zur Nachbearbeitung des Fotos. Und wenn man einen ganzen Tag fotografiert, kommen am Ende auch nur wenige perfekte Fotos heraus, welche dann publiziert werden. Während eines Shootings sind neben Birte und Tim die Modells, die Visagisten sowie Stylisten und noch einige andere Personen anwesend. Es werden Lichtquellen benötigt, die Beleuchtung muss stimmen und und und… Man erkennt sicherlich, dass wirklich viel Arbeit für ein einziges Foto nötig ist.
Zum Schluß geht es noch um Schönheitsideale und das Nachbearbeiten von Fotos. Dürre Models und das Schlank-Hungern verurteilen beide. Tim findet solche Körper eher unästhetisch und unmenschlich. Birte findet Kleidergröße 38 bei Frauen völlig in Ordnung, jedoch ist Größe 34 eher “normal” in der Fotografie. Bei der Nachbearbeitung haben beide unterschiedliche Einstellungen. Birte ist dafür, dass man ruhig Falten und andere “Fehler” wegretouchieren darf, Tim hingegen überarbeitet bei seinen Bildern nur Pickel. Falten und Narben machen das Modell und das Foto viel natürlicher. Letztendlich liegt es aber auch am Auftraggeber, ob dieser das Foto mag und so übernimmt oder Änderungen wünscht.
Beide geben eventuellen Fotograf-Beruf-Interessierten noch folgende Tipps mit auf den Weg: unbedingt ein Praktikum machen und vorher informieren. Der Fotograf-Beruf kann sehr anstrengend sein und besteht eben nicht nur aus fotografieren. Man muss viel Bürokram erledigen und manchmal schleppt man stundenlang bis zu 20kg an Technikdurch die Gegend, bis man das richtige Motiv findet. Und was niemals fehlen darf: die Leidenschaft für Fotografie!
Hier in dieser Galerie könnt ihr einige Beispielbilder von Birte und Tim ansehen, um euch selbst einen eindruck von den Settings zu machen.
Wir bedanken uns bei den beiden und wünschen ihnen viele kreative Einfälle, beruflichen Erfolg und dauerhaften Spaß beim Fotografieren.
Am 2. September 2008 um 16:40 Uhr
Dieser Talk war wirklich gut … hat man echt mal ein paar interessante Sachen erfahren!
Am 16. Dezember 2008 um 18:23 Uhr
Jau, das könnte mich auch interessieren.
Am 15. Juni 2011 um 21:18 Uhr
sehr schöne fotos, kunstvoll und trotzdem erkennt man die kleidung sehr gut